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Andreas Widmer, der Maler eines konsequenten minimalen (ich sage bewusst nicht minimalistischen, was zu ideologisch klänge) „Fürnötighalten“; was braucht es denn nun sachlich, um das Auge zu füttern, ohne es zu übersättigen?, doch möglicherweise weniger Stoff denn je. Der retinale Reiz wird mit einer entfärbten Fläche viel nachhaltiger ausgelöst, als wenn sich da ein Farbenmeer tummelt, davon ist dieser Künstler überzeugt; also behaupte ich: das sind die Bilder, die man braucht, wenn es noch in den grauen, den nebulösen Nächten doch was zu sehen gibt, das sind die Bilder, die Dunkelheit nicht aufheben, aber zum Erkennen bringen, da ist die Addition der Flächen, die sich mit den Nuancen beschäftigt, da sind die feinen, zarten finalen Verläufe, die man kaum wahrnimmt, da sind diese neuen Folgen von den langen Betrachtungen, die Leute angestellt haben, die sich mit dem schwarzen Quadrat von Malevic nicht lebenslang abfinden wollen... da wird die Eindimensionalität zu einem Leitprinzip, mit dem kompromisslos gewirkt wird, und dieses führt genügend ins Offene hinein...
Das ist für mich eine Malerei der Fragestellungen und der konsequenten Antwortsverweigerung; bis dahin, dass man denkt, es gibt doch diese Fragen gar nicht wirklich und jede Antwort ist unzulässig, ist immer zu wenig... man kann nicht heraus aus der Mitte der Dinge , man ist ihnen ausgeliefert, also muss das Ding, das was Vorstellung, Abbild etc. ist, beiseitegeräumt werden... ja, ganz genau, es muss (aus)geräumt werden, der Raum muss wieder in seine Rechte treten, nicht als Lagerstätte von all dem, was man sammelnd sich zulegt, sondern als das, was er seiner Anlage gemäss meint: eine Möglichkeit der Einzugnahme, eine Stätte des Inkrafttretens von noch nicht erschöpften Energien; der Raum als Freiraum, mit der Möglichkeit einer vom Betrachtenden sich weiter entwickelnden Farbbildung - also ohne die so oft die Blickfülle einleitenden Vorgaben.
Ich war erstaunt, dass Andreas Widmer Zement seiner Farbmischung einführt, nebst Acryl, Dispersion, da diese vermeindliche Festigkeit in der Farbschicht nicht mehr zum Vorschein kommt, statt dessen ein mattglänzender Schimmer, der ständig zwischen Schwarz und Grau changierenden Farbabstufungen... eine Haltung des Lassens, des „laisse peintre“: die Spuren durchziehen die Schichten und halten, stabilisieren das sensible Auge in eine(r) verhaltene(n) Ruhe. Und die Anordnung, die Zuführungen der kognitiven Rechtecke folgen einer, fürs blosse Auge unergründlichen rituellen Zeremonie; das sind die Niederschläge aus dem „Staub des Raumes“; in diesen Bildstücken, immer auf kompakten Holzträger fixiert, wird der Anblick des Widerscheins geboten, den die Errungenschaften, - kosmischen Einflüssen erlegen? - hinterlassen, wenn man sich ihre Abdrücke vor Augen führt... eine polyphone Monotonie... gemalt für Menschen, die sich die Fähigkeit bewahrt haben, ihren Blick (hin und wieder) auch nach innen zu wenden.
Martin Kolbe
Ausführung der Arbeiten: Dispersion, Acryl, Zement auf Hartfaserplatte
Masse: in cm
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